Tiny House nach vier Jahren: Was geblieben ist
Bereits vier Jahre wohnen wir jetzt im Tiny House. Am 22. September waren es vier Jahre. Vor zwei Jahren haben wir schon einmal zurückgeschaut, und jetzt hat sich dieser Rückblick wieder aufgedrängt: Wie war die Zeit seither? Und wie fühlt es sich heute an?
Kurz gesagt: Es ist immer noch super toll. Wir geniessen es nach wie vor, und irgendwie sogar immer mehr.
Der Sommer draussen
Wenn wir an die letzten vier Jahre denken, dann kommt als erstes der Sommer. Wir sind dann viel draussen. Am Wochenende draussen frühstücken. Abends nach der Arbeit draussen sitzen, Musik hören, bei Kerzenschein, mit Blick auf die grüne Wiese. Genau das möchten wir wirklich nicht missen.
Unser Grundstück passt dazu perfekt: 250 Quadratmeter, ein bisschen weg von der Strasse, sehr ruhig. Für uns fühlt sich das im Alltag oft an wie Ferien.
Seit wir im Januar unser Wohnmobil verkauft haben, ist das nochmals deutlicher geworden. Es war für uns nicht mehr zu reparieren, beziehungsweise hätten wir zu viel investieren müssen. Also haben wir es verkauft und den Sommer zu Hause genossen. Das war am Anfang für mich ungewohnt, Sibylle hatte damit weniger Probleme. Ich gehe immer noch gerne übers Wochenende irgendwohin, wandern und so. Dieses Jahr waren wir dann aber zwei, drei Wochenenden mehr zu Hause. Und diese Wochenenden zu Hause, draussen am Tisch, wenn es so schön warm ist wie diesen Sommer, sind für uns wirklich ein Traum.
Wir hatten früher in der Wohnung auch einen grossen Balkon. Aber der war oben gedeckt, links und rechts mit Wänden, dazu Betonboden, und die Sonne schien den ganzen Nachmittag voll rein. Das Resultat war banal: Wir konnten eigentlich erst um acht, neun Uhr abends raus. Oder am Morgen am Wochenende, später dann nicht mehr, weil es zu heiss wurde. Dann gingen die Rollläden runter, und das war mühsam.
Hier ist es anders. Vor dem Haus stehen zwei Birken, die geben uns über den Tag immer wieder Schatten. Wir rücken mit den Stühlen hin und her, und so geht das gut. Dazu haben wir einen grossen Sonnenschirm. Schöner könnte es fast nicht sein.
Weniger Fläche, weniger Arbeit, ein kleiner Garten
Ein Punkt, den wir wirklich klar sagen können: Wir haben erheblich weniger Hausarbeit. Das ist keine Magie, sondern einfach die Fläche. Weniger Fläche bedeutet logischerweise weniger Arbeit. Für uns ist das ein grosser Gewinn im Alltag.
Zum Tiny-House-Leben gehört bei uns auch der kleine Garten. Wir pflanzen ein wenig Gemüse an: Gurken, Chili, Peperoni, Zwiebeln (die waren dieses Jahr nicht sehr ertragreich), Tomaten und viele Gewürze. Bei den Gewürzen wird es bei uns immer mehr, mittlerweile trocknen wir sie auch.
Wir machen da nichts Revolutionäres. Wir arbeiten einfach ein wenig damit und lernen von Jahr zu Jahr. Man könnte es sicher besser machen, aber wir sind ganz zufrieden.
Und dann gibt es so Saisons wie diesen Sommer: Die Zucchini sind mehr oder weniger gekommen. Wahrscheinlich weil es so heiss war, war das Wachstum etwas gehemmt. Die Pflanze ist zwar sehr gross geworden, aber die Zucchini selber eher klein.
Was wir sparen und wie wir einkaufen
Rein finanziell gesehen können wir nach vier Jahren sagen: Wir haben sehr viel Geld gespart. Ein grosser Grund ist simpel, die Ausgaben sind viel weniger, schon nur wegen der Miete. Wir arbeiten beide und teilen sie uns, und wir zahlen hier sehr wenig Miete für das Grundstück.
Etwas, das man nicht zwingend nur im Tiny House lernt, das bei uns aber in den letzten vier Jahren sehr klar geworden ist: Wir kaufen viel bewusster ein. Wenn wir Fleisch essen, dann gehen wir zum Metzger im Dorf. Das Fleisch ist super und sehr lecker. Es ist teurer als im Supermarkt, aber dann lohnt es sich für uns, ein paar Franken mehr auszugeben, wenn wir wirklich Lust darauf haben.
Und dann ist da der Platz. Wir können nicht ständig Neues reinbringen und irgendwo verstauen. Das geht nicht. Jedes Ding in unserem Haus hat seinen Platz, und wenn etwas keinen Platz hat, dann steht es im Weg rum. Das ist im Tiny House ziemlich gnadenlos. Darum überlegen wir automatisch bewusster:
- Kaufe ich jetzt etwas Neues?
- Brauche ich neue Schuhe?
- Brauche ich irgendeinen Schnickschnack?
Diese Fragen kommen von selbst.
Womit wir auch sehr gut zu Schlag kommen, und damit hätte ich vor dem Einzug nicht gerechnet: Wir haben keinen Geschirrspüler mehr. Ich hatte eigentlich immer einen. Jetzt spülen wir einmal pro Tag ab, trocknen ab, und das ist wirklich easy. Es braucht nicht viel Zeit und stört uns gar nicht.
Der technische Alltag: Heizen, Toilette, Wasser
Im Winter ist es bei uns anders als in vielen Wohnungen. Viele kommen nach Hause, setzen sich ins Wohnzimmer, und es ist einfach warm. Bei uns ist es auch warm, aber wir müssen dafür etwas tun: Holz holen, den Ofen anmachen, feuern, Holz nachholen. Und beim Anfeuern schauen, dass es nicht zu fest raucht. Das ist im Winter eigentlich jeden Tag noch etwas.
Mit unserem System, einem wassergeführten Ofen mit Zentralheizung und Heizkörpern, funktioniert das für uns aber sehr gut. Mehr dazu steht in Innovative Heizung in unserem Tiny House und beim wassergeführten Holzofen.
Ebenfalls gut funktioniert die Trockentrenntoilette. Ich hatte damit nie ein Thema, Sibylle war anfangs skeptischer. Aber es hat sich gezeigt: Das funktioniert extrem gut. Es hat sich so eingependelt, dass wir das WC einmal in der Woche leeren, jeweils am Abend, bevor am nächsten Tag die Müllabfuhr kommt.
Wir geben es in den Müll. Einen Kompost dafür anzulegen dauert zwei, drei Jahre, und so etwas möchte man dem Nachbarn links oder rechts nicht einfach vor den Sitzplatz stellen. Es geht auch um den Platz. Interessieren würde es mich trotzdem. Unsere Erfahrungen dazu stehen in Trockentrenntoilette im Tiny House: 3 Jahre Erfahrung.
Was uns immer wieder freut, ist die Wasserrechnung. Wir brauchen extrem wenig Wasser, es pendelt sich bei 20 bis 25 Kubikmeter pro Jahr ein.
Was wir anders planen würden
Gibt es auch Dinge, die nicht so toll sind? Ein Punkt fällt uns ein. Beim Schlafzimmer muss man durchs Türli rein, und ich kann nicht links und rechts am Bett vorbeigehen und mich dann hinsetzen und reinlegen. Ich gehe von vorne rein und muss auch wieder vorne raus.
Das geht jetzt noch gut, wo wir jung und knackig sind. Aber in ein paar Jahren geht das vielleicht nicht mehr so gut. Das würden wir wohl anders planen. Es stresst uns aktuell nicht und belastet uns nicht, wir haben das im Griff.
Der zweite Gedanke, der mitläuft, ist der Platz selber. Wir sind jetzt vier Jahre hier und können sicher noch drei Jahre bleiben. Die Vermieterin hat schon durchblicken lassen, dass es wahrscheinlich sogar fünf Jahre sein könnten. Aber fünf Jahre sind fünf Jahre, und niemand weiss, was dann ist. Vielleicht haben wir irgendwann keinen Bock mehr auf Tiny House, weil es viel zu klein ist. Aktuell kann ich mir das nicht vorstellen, aber man weiss es nie. Wenn wir also irgendwo in einer Gemeinde oder an einem Ort einen schönen Platz sehen, merken wir uns das und schreiben es auf, für später.
Warum wir es nicht missen möchten
Nach vier Jahren bleibt vor allem das Gefühl: Wir möchten es auf keinen Fall missen. Wir geniessen diesen Platz, die Ruhe, die Natur. Und wir merken es immer wieder, wir sind sehr nahe draussen. Egal wo wir im Tiny House sind, wir können aus dem Fenster nach draussen schauen.
Das Nach-Hause-Kommen und das Zuhause-Sein machen uns hier viel Spass, und es ist für uns eine grosse Erholung.
Wenn dich dieser Aspekt interessiert: In Tiny House: eine Armlänge bis nach draussen haben wir das schon einmal aufgeschrieben.



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