38 Grad draussen, 29 drinnen: Dämmung im Hitzetest
Zusammenfassung
Fast zwei Wochen Hitzewelle, bis 38 Grad — warum unser Tiny House kühl blieb und die Schafwoll-Dämmung im Sommer so wichtig ist wie im Winter.
Heute, am 28. Juni 2026, neigt sich eine fast zweiwöchige Hitzewelle dem Ende zu. Bis zu 38 Grad zeigte das Thermometer in den letzten Tagen — die Art von Hitze, bei der man am liebsten gar nichts mehr tut.
Und immer wieder dieselbe Annahme von aussen: Bei euch im kleinen Holzhaus muss es ja unerträglich heiss sein.
Die Frage, die uns dieser Tage ständig begegnet
Wir kennen diese Frage gut. Im Winter werden wir gefragt, ob wir denn nicht frieren. Im Sommer, ob wir nicht schmoren. Ein Tiny House, so die verbreitete Vorstellung, sei im Winter eine Kühlbox und im Sommer ein Backofen.
Diese Hitzewelle war für uns deshalb auch eine Art Test. Knapp 36 Quadratmeter, viel Holz, grosse Fenster — auf dem Papier klingt das nach idealen Bedingungen, um sich aufzuheizen. Die Realität sah anders aus.
Wie warm es bei uns wirklich wurde
Während draussen die 38-Grad-Marke fiel, blieben wir drinnen tagsüber meistens bei knapp 29 Grad. Nicht kühl im Sinne einer klimatisierten Wohnung, aber angenehm genug, um den Tag zu überstehen und zu arbeiten.
Noch eindrücklicher war die Nacht. Sobald die Aussentemperatur sank, ging es bei uns drinnen zuverlässig zurück auf rund 22 Grad. Wir konnten gut schlafen, ohne uns hin und her zu wälzen.
Das Spannende dabei: An vielen dieser Tage war unser Tiny House schlicht der kühlste Ort, den wir kannten. Wer von draussen hereinkam, spürte den Unterschied sofort.
Warum die Dämmung den Unterschied macht
Der Schlüssel liegt in der Hülle. Unser Wohnwagon ist mit Schafswolle gedämmt — ein Material, das wir vor allem aus dem Winter schätzen gelernt haben, wenn es die Wärme im Haus hält. Wie dieser Aufbau entstanden ist, haben wir beim Bau dokumentiert.
Im Sommer arbeitet dieselbe Dämmung in die andere Richtung. Sie bremst die Hitze, die von aussen hereindrängt, und sorgt dafür, dass sich die Innentemperatur nur langsam und gedämpft verändert. Eine gute Dämmung ist also keine reine Winterversicherung — sie wirkt in beide Richtungen.
Genau das wird beim Thema Tiny House oft unterschätzt. Im Winter haben wir gelernt, wie viel die Hülle ausmacht. Diese Hitzewelle hat uns dieselbe Lektion noch einmal gezeigt, nur mit umgekehrten Vorzeichen.
Was wir trotzdem tun (und lassen)
Die Dämmung allein macht aber nicht alles. Ein paar einfache Routinen helfen mit:
- Früh und nachts lüften: In den kühlen Stunden öffnen wir alles und holen die Nachtluft herein.
- Tagsüber zu: Sobald es draussen wärmer ist als drinnen, bleiben Fenster und Türen geschlossen — sonst holt man sich die Hitze ins Haus.
- Plissees runter: Mehr Beschattung haben wir gar nicht. Wo die Sonne auf die Fenster drückt, ziehen wir die Plissees herunter — das genügt.
Zwei Dinge nehmen uns zusätzlich Arbeit ab, ganz ohne unser Zutun. Das Dach unseres Erkers ist begrünt, und auf dem Hauptdach stehen unsere Solarpanels. Beide halten einen Teil der direkten Sonne vom Dach fern, bevor die Wärme überhaupt bis zur Dämmung vordringt. So muss die Hülle gar nicht erst gegen die volle Mittagssonne ankämpfen.
Eine Klimaanlage haben wir nicht — und vermisst haben wir sie auch diesmal nicht. Schon im Hitzesommer 2025 sind wir gut durchgekommen, damals lag der Fokus mehr auf dem Wasser.
Unser Fazit
Diese zwei Wochen haben bestätigt, was wir längst vermutet hatten: Eine gute Hülle ist die beste Investition in den Wohnkomfort — sommers wie winters. Sie spart Energie, sie spart Technik, und sie macht den Alltag bei Extremwetter einfach entspannter.
Wenn uns also das nächste Mal jemand fragt, ob es bei uns drinnen nicht unerträglich heiss sei, fällt die Antwort leicht: nein. Im Gegenteil — komm rein, hier ist es kühl.