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Unser Gasbackofen-Drama: von Kohle-Pizza zu Glück
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Unser Gasbackofen-Drama: von Kohle-Pizza zu Glück

Zusammenfassung

Unser Gas-Einbaubackofen im Tiny House war erst defekt, dann verbogen und zickig. Nach langer Suche fanden wir endlich Ersatz – und backen heute wieder regelmässig.

Wir haben im Tiny House so ein paar Dinge, die uns jedes Mal kurz daran erinnern, dass wir nicht in einer 08/15-Wohnung leben. Der Gasbackofen gehört definitiv dazu.

Am Anfang klang das alles ziemlich romantisch. Backen mit Gas. Unabhängiger sein. Nicht jedes Mal überlegen müssen, ob die Batterie gerade Lust auf 2000 Watt hat. Und ganz ehrlich: Ein Ofen ist im Alltag einfach so ein stiller Held. Erst wenn er fehlt, merkst du, wie oft du ihn eigentlich brauchst.

Der erste Ofen: kurz da, schnell tot

Als wir im September 2022 in unser Wohnwagon-Tiny House eingezogen sind, war der Einbau-Gasbackofen schon drin. Wir waren happy, haben das Ding angefeuert und dachten: Läuft.

Tat es aber nicht lange.

Nach kurzer Zeit war der Ofen defekt. So richtig defekt. Nicht «hm, er heizt ein bisschen langsam», sondern «er macht, was er will».

Zum Glück lief das über Garantie, und Wohnwagon hat uns einen neuen organisiert. Wir waren erleichtert. Problem gelöst, dachten wir.

Der zweite Ofen: als wäre er vom Lastwagen gefallen

Der Ersatz kam an und wir standen davor wie vor einem schlechten Witz. Das Gehäuse war verbogen, als hätte jemand beim Transport entschieden, dass ein Backofen auch als Paketstütze taugt.

Michi hat ihn angeschaut, dann uns angeschaut, dann den Hammer geholt.

«Das kann doch nicht wahr sein», haben wir beide gesagt. Und dann haben wir tatsächlich mit sanfter Gewalt versucht, das Ding wieder in eine Form zu bringen, die man guten Gewissens in eine Küchenzeile schieben kann.

Spoiler: Wenn du ein Gerät zuerst mit dem Hammer überreden musst, ist die Chance klein, dass es danach einwandfrei funktioniert.

Die Pizza, die zur Rauchbombe wurde

Wir haben den Ofen eingebaut, angeschlossen und ehrlich gesagt: Wir wollten einfach wieder normal backen. Also Pizza rein.

Und dann kam dieser Moment, den wir heute fast schon lustig finden. Fast.

Unsere erste Pizza war innerhalb kurzer Zeit mehr Kohle als Pizza. Dazu Rauch. Viel Rauch. Tiny House Rauch.

Wenn du in einem Tiny House Rauch hast, dann hast du nicht «ein bisschen Rauch in der Küche». Dann hast du Rauch im Bett, im Bad, im Kleiderschrank und gefühlt auch in der Zahnbuerste.

Wir standen da, Fenster auf, Türe auf, und einer von uns fächelte mit einem Schneidebrett herum. «Das hätten wir nie gedacht», haben wir gelacht, aber eher so ein leicht hysterisches Lachen.

Und ja: Wir müssen es zugeben. Vielleicht lag ein Teil auch an uns.

Wir hatten den Ofen einfach eingebaut, ohne die Gas-Konfiguration zu überprüfen. Welche Düse drin ist, ob das wirklich zu unserem Gas passt, ob der Druck stimmt – wir haben es damals zu locker genommen.

Das Feuer geht aus – ausser du lässt die Türe offen

Nach dem Pizza-Desaster war aber nicht einfach wieder alles gut. Der Ofen hatte eine neue Spezialität: Das Feuer ging immer wieder aus.

Nicht immer. Nicht vorhersehbar. Einfach so.

Und irgendwann merkten wir: Wenn wir die Backofentüre einen Spalt offen liessen, blieb der Brenner eher an. Also sassen wir da, wie zwei Bodyguards vor einem sehr empfindlichen Promi-Ofen, und haben ihn beobachtet.

  • Türe leicht offen?
  • Brenner noch an?
  • Wird es zu heiss?
  • Wird es zu schwarz?

Irgendwann hatten wir schlicht keinen Bock mehr.

Backpause: weil man nicht wegen allem kämpfen muss

Wir haben das Backen für eine ganze Weile sein lassen. Nicht, weil wir keine Lust auf Brot, Kuchen oder Auflauf hatten. Sondern weil wir keine Lust mehr hatten, uns um einen Backofen zu kümmern, der sich wie ein launischer Mitbewohner benimmt.

Und das war auch eine kleine Tiny-House-Lektion: Du darfst Dinge auch mal liegen lassen. Nicht alles muss sofort optimiert und gelöst werden.

Die Suche in der Schweiz: Gas-Einbauöfen? Gibt’s nicht.

Irgendwann kam der Moment, wo wir wieder Lust auf Ofengerichte hatten. Und da standen wir vor dem nächsten Problem: In der Schweiz findest du praktisch keinen gasbetriebenen Einbau-Backofen.

Wir haben:

  • Gerätelieferanten angefragt
  • uns durch Online-Shops geklickt
  • Stunden mit Recherche verbracht

Erfolglos.

Auf ein paar spanischen und italienischen Webseiten tauchten solche Öfen auf, aber das war uns zu heikel. Und dann, endlich, fanden wir einen deutschen Hersteller, der noch zwei gasbetriebene Einbauöfen im Sortiment hatte.

Also bestellten wir.

Der dritte Ofen: diesmal machen wir es richtig

Als der neue Ofen ankam, waren wir fast schon ehrfürchtig. Keine Dellen. Keine verbogenen Bleche. Kein Hammer-Einsatz.

Und diesmal wollten wir nicht wieder auf gut Glück starten. Wir haben uns informiert, was eingestellt werden muss: Gasdüse, Gasart, all diese Details, die man beim ersten Mal so charmant ignorieren kann.

Der erste Test sollte kein emotionaler Grossverlust werden. Keine selbstgemachte Pizza. Keine stundenlange Focaccia.

Wir kauften tiefgefrorene Sachen zum Aufbacken. Günstig. Und wenn’s schief geht: nicht tragisch, weil eh nicht mega lecker.

Wir setzten uns vor den Ofen, wie ins Kino.

Gas an.

Blick auf den Brenner.

Warten.

Kontrollieren.

Und dann passierte etwas sehr Ungewohntes: Es klappte.

Heute: nicht perfekt, aber wieder unser Ofen

Je länger wir den Gasbackofen nutzen, desto besser kommen wir zurecht. Es ist nicht ganz so komfortabel wie ein Strombackofen. Die Hitze ist anders, das Timing ist manchmal etwas sensibler, und wir sind am Anfang sicher öfter am Kontrollieren.

Aber es funktioniert.

Und wir merken erst jetzt so richtig, wie sehr wir den Ofen vermisst haben. Wir backen wieder relativ oft und viel. Brot. Aufläufe. Gemüse. Manchmal auch einfach nur etwas Warmes, das nach Zuhause riecht.

Unser Fazit: Technik kann nerven, aber sie darf auch wieder Freunde werden

Wenn wir etwas gelernt haben, dann das:

  • Gasgeräte brauchen mehr Aufmerksamkeit als man denkt, vor allem bei Konfiguration und Sicherheit.
  • Nicht jeder Ersatz ist automatisch eine Lösung.
  • Und manchmal ist es okay, eine Pause zu machen, statt sich in ein Problem zu verbeissen.

Heute sind wir froh, dass wir den dritten Anlauf gemacht haben. Nicht, weil jetzt alles perfekt ist, sondern weil wir wieder backen können, ohne dass unser Tiny House zur Räucherkammer wird.

Und wenn wir jetzt den Ofen einschalten, sagen wir manchmal aus Spass: «Bitte benimm dich.»

Bis jetzt klappt’s erstaunlich gut.

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