Kompost im Tiny House: Mit Würmern zum Gold
Zusammenfassung
Seit 3,5 Jahren kompostieren wir mit Kompostwürmern — ganz entspannt und ohne grossen Aufwand. Was wir gelernt haben und warum eine Wurmkiste auch ohne Garten funktioniert.
Gemüseschalen, Kaffeesatz, welke Salatblätter. Alles wandert bei uns in eine grosse Kiste im Garten — und irgendwann kommt unten wunderbare, dunkle Erde heraus. Kein Zutun, kein Aufwand, kein schlechtes Gewissen mehr beim Wegwerfen von Küchenabfällen.
So in etwa läuft unser Kompost seit 3,5 Jahren. Und es ist eines der einfachsten, befriedigendsten Dinge, die wir hier auf unserem KOKOMO-Grundstück eingerichtet haben.
3,5 Jahre Kompost — und wir machen fast nichts
Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Aber genau so ist es. Wir werfen rein, was anfällt, und lassen die Natur ihren Job machen. Kein regelmässiges Umschichten, kein Messen von Feuchtigkeit, kein Schichten von «Braun und Grün» nach Lehrbuch.
Natürlich könnte man das alles tun. Es gibt Menschen, die ihren Kompost mit echter Leidenschaft betreiben — und die Ergebnisse sind vermutlich noch besser. Für uns aber gilt: Gut genug ist gut genug. Der Kompost funktioniert, das Gemüse wird zu Erde, und das fühlt sich richtig an.
Der Start: 500 Würmer und eine Portion Vertrauen
Am Anfang war da ein leerer Kompostbehälter und die Frage: Reicht es, einfach Abfälle reinzuwerfen? Theoretisch ja. Aber wir wollten dem Ganzen einen Schub geben.
Im ersten Jahr haben wir deshalb 500 Kompostwürmer bestellt und in den Kompost gesetzt. Im zweiten Jahr nochmals 500 — weil wir einfach das Gefühl hatten, dass mehr hilft. Seither haben wir keine einzige neue Portion Würmer zugekauft.



Und weisst du was? Die Würmer haben sich längst selbst um die Personalplanung gekümmert. Sie vermehren sich prächtig, wenn die Bedingungen stimmen. Heute wimmelt es im Kompost nur so vor Leben — ohne unser Zutun.
Kompostwurm vs. Regenwurm: Nicht dasselbe Tier
Das ist ein Punkt, der viele überrascht: Die Würmer im Kompost sind nicht die gleichen wie die im Gartenboden.
Der klassische Regenwurm (Lumbricus terrestris) lebt tief im Boden, gräbt Gänge und verbessert die Bodenstruktur. Er ist ein Einzelgänger, der weite Strecken zurücklegt und keine grossen Mengen organisches Material auf einmal verarbeitet.
Der Kompostwurm hingegen — meist Eisenia fetida, auch «Roter Wurm» oder «Mistwurm» genannt — ist ein echter Spezialist:
- Er lebt in der oberen Schicht von verrottendem Material, nicht im tiefen Boden
- Er frisst grosse Mengen organisches Material und verarbeitet es sehr schnell
- Er liebt feuchte, warme Bedingungen (ideal 15–25 Grad)
- Er vermehrt sich deutlich schneller als der Regenwurm
- Er bildet gerne Kolonien — je mehr, desto besser
«Kompostwürmer sind sozusagen die Profis für organische Küchenschlacht-Überreste» — so hat es uns mal jemand erklärt, und das trifft es ziemlich gut.
Der Regenwurm ist also der stille Bodenverbesserer, der Kompostwurm der fleissige Abfallverwerter. Beide sind wertvoll, aber für einen Kompost braucht es den richtigen.
Unser Kompost heute: Simpel und gut genug
Was kommt rein? Praktisch alle pflanzlichen Küchenabfälle:
- Gemüse- und Obstschalen
- Kaffeesatz und Teebeutel (ohne Plastik)
- Salatblätter, Kräuterreste
- Eierschalen (zerkleinert)
- Gartenabfälle wie Rasenschnitt oder Laub
Was kommt nicht rein: Fleisch, Fisch, gekochte Speisen, Zitrusschalen in grossen Mengen und alles Behandelte. Nicht weil wir es genau studiert haben — sondern weil es einfach Sinn ergibt.
Unten im Behälter entnehmen wir gelegentlich fertige Komposterde und geben sie in die Beete. Dunkel, krümelig, wunderbar. Unser Gemüse wächst darin prächtig — und irgendwie schliesst sich da ein Kreis, der uns jedes Mal ein bisschen zufrieden macht.
Kein Garten? Kein Problem: Die Wurmkiste
Was, wenn man keinen Garten hat? Keine Terrasse, kein Grundstück — nur eine Wohnung?
Dann kommt die Wurmkiste ins Spiel. Und nein, das ist keine schräge Idee für Hardcore-Ökos. Es ist eine elegante, geruchsarme Lösung, die in einer normalen Küche oder auf dem Balkon funktioniert.

Eine Wurmkiste ist im Prinzip ein gestapeltes System aus Behältern — meist zwei bis drei Etagen:
- Unterste Etage: Auffangbehälter für den «Wurmtee» — eine nährstoffreiche Flüssigkeit, die als Flüssigdünger für Zimmerpflanzen genutzt werden kann
- Mittlere Etage: Die aktive Zone, in der die Würmer arbeiten und Küchenabfälle fressen
- Obere Etage: Hier kommen frische Abfälle rein
Die Würmer wandern von selbst nach oben, sobald unten alles verwertet ist. Man entnimmt die fertige Erde und füllt oben nach. Das ist alles.
Richtig betrieben riecht eine Wurmkiste nach Waldboden — erdig und angenehm, nicht unangenehm. Wichtig ist: nicht zu viel auf einmal einfüllen, auf ausreichend Feuchtigkeit achten und darauf, dass es nicht zu kalt wird (unter 10 Grad mögen Kompostwürmer nicht besonders).
Für alle, die in einer Wohnung leben und trotzdem keine Lebensmittelabfälle in den Kehricht werfen möchten: Die Wurmkiste ist eine wirklich gute Option.
Fazit: Klein, leise, wirkungsvoll
Unser Kompost ist kein Vorzeigeprojekt. Er ist nicht Instagram-tauglich, nicht nach jeder Methode optimiert, und wir könnten mit etwas mehr Aufwand sicher noch bessere Resultate erzielen.
Aber er funktioniert. Seit 3,5 Jahren, zuverlässig, still im Hintergrund. Unsere Küchenabfälle werden zu Erde, die Erde nährt den Garten, der Garten nährt uns.
Das ist Kreislaufwirtschaft im kleinsten Massstab — und genau das fühlt sich für uns nach Tiny-House-Leben an.