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Bauvisiere selber stellen — lohnt sich das?
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Bauvisiere selber stellen — lohnt sich das?

Zusammenfassung

Bauvisiere selber stellen statt Profi beauftragen — für unser Tiny House haben wir genau das gemacht. Offerten bis CHF 1200 und wie es wirklich lief.

Endlich war es so weit: Das Baugesuch war eingereicht, die Unterlagen komplett — und als nächstes stand eine Aufgabe an, die wir vorher noch nie gemacht hatten: Bauvisiere selber stellen. Für viele vielleicht nur ein bürokratischer Schritt, für uns war es das erste Mal, dass unser Tiny House auf dem Grundstück sichtbar wurde. Zumindest in Form von ein paar langen Holzstangen.

Was ist ein Bauvisier — und wozu braucht man es?

Ein Bauvisier ist eine temporäre Markierung auf dem Grundstück, die zeigt, wo und wie hoch das geplante Gebäude stehen wird. In der Schweiz ist das bei praktisch jedem Bauprojekt Pflicht — auch bei einem Tiny House. Die Stangen bleiben während der öffentlichen Auflagefrist des Baugesuchs stehen, damit Nachbarn und Behörden sich ein Bild vom Vorhaben machen können.

Kurz gesagt: Kein Bauvisier, kein Baugesuch. So einfach ist das.

Selber machen oder Profi beauftragen?

Wir hatten uns vorgängig zwei Offerten eingeholt. Die lagen zwischen CHF 700 und CHF 1’200 — für ein paar Holzstangen, die ein paar Wochen stehen und dann wieder weg sind. Das hat uns zu denken gegeben.

Den entscheidenden Tipp bekamen wir aus der Community: Jemand aus dem Verein Kleinwohnformen hatte die Bauvisiere für sein Haus in Muhen ebenfalls selbst gestellt. Wenn die das können, können wir das auch, dachten wir. Und wer sich gerade mit dem Thema Baugesuch Tiny House beschäftigt, weiss: Man sucht überall, wo man Kosten sparen kann.

Was wir gebraucht haben

Für unser Haus brauchten wir 10 Stangen mit einer Höhe zwischen 3.32 m und 3.34 m. Was wir sonst noch dabei hatten:

  • Den Bauvisierplan (Teil des Baugesuchs)
  • Werkzeug zum Einschlagen und Ausrichten der Pfähle
  • Und die wichtigste Zutat: Urs

Urs ist Gartenbauer, Allrounder und guter Freund. Er hat die Visiere vorbereitet, das nötige Werkzeug mitgebracht — und vor allem eine Menge Erfahrung. Ohne ihn wäre das Ganze wohl deutlich länger gegangen.

Der Aufbau — 2.5 Stunden und 10 Stangen später

Am 18. März 2022 war es soweit. Mit einem guten Plan und einem noch besseren Startpunkt ging es los.

Das Kniffligste beim Bauvisiere stellen ist das korrekte Vermessen und Ausrichten der Stangen. Die Masse müssen stimmen, die Positionen auch — und das auf einem Grundstück, das noch keine klaren Referenzpunkte hat. Wir hatten Glück: Unser Ausgangspunkt war fast perfekt, was vieles vereinfachte.

«Ich war mehrheitlich der Zudiener» — das muss ich zugeben. Urs hat den Grossteil der handwerklichen Arbeit übernommen, während ich Stangen angereicht und gelegentlich den Hammer geschwungen habe. Nach etwas mehr als 2.5 Stunden standen alle 10 Stangen. Fertig.

Was ich mir danach natürlich nicht nehmen lassen konnte: mich schon mal an die Stelle zu legen, wo später unser Schlafzimmer sein würde. Einfach so, um zu spüren, dass es wirklich passiert.

Unser Fazit — und ein paar Tipps

Ja, es ist möglich, Bauvisiere selbst zu stellen. Und ja, es lohnt sich — zumindest wenn man ein paar Dinge beachtet:

  • Hol dir Unterstützung von jemandem mit Erfahrung. Alleine ist es machbar, aber mühsam.
  • Werkzeug ist entscheidend. Ohne das richtige Equipment dauert es deutlich länger.
  • Der Bauvisierplan muss sauber sein. Er ist die Grundlage für alles — ohne guten Plan kein gutes Ergebnis.
  • Einsparpotenzial: CHF 700–1200. Das ist Geld, das woanders besser aufgehoben ist.

Die Bauvisiere waren für uns übrigens einer der ersten greifbaren Momente des ganzen Projekts — nach Monaten der Planung und Bürokratie plötzlich etwas Physisches auf dem Grundstück. Wer mehr über den Weg zur Baubewilligung oder den weiteren Baufortschritt lesen möchte, findet bei uns noch mehr dazu.

Wer den Aufwand nicht scheut und jemanden mit Know-how an der Seite hat, kann das problemlos selbst machen. Wir würden es jederzeit wieder so tun.

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